Ich brauche einen neuen Trockentauchanzug und möchte, bevor ich mich auf etwas einschiesse, einen Schritt zurück gehen und eure Schwarmintelligenz nutzen.
Zu mir/Ausgangslage:
Aus der CH, 31 und hoffentlich noch viele Tauch-Jahre vor mir
Seit ca 3 Jahren aktiv, davon 2.5 Jahre in Sidemount-Konfiguration. Aktuell XDeep Stealth Rec mit 2 x 80cft Alu Flasche
mein erster Trocki, ein Bare Aqua-Trek EVO (Trilaminat), wurde kürzlich repariert (undichte Naht im Kniebereich, glatter Durchstich beim anderen Knie) und hat nun einen undichten Reissverschluss. Der Trocki hat einen Front-Reissverschluss (Kunststoff) sowie eine Neopren-Halsmanschette. Das Ende der Lebensdauer zeichnet sich ab, weshalb ich mich nach einer Neuanschaffung umschaue. Aktuell konnte ich einen Anzug ausleihen, es spielt demnach eine untergeordnete Rolle wie schnell ich an meinen neuen Trocki komme.
Ausbildung: aktuell ausschliesslich im Sporttauchbereich - vorwiegend im Bodensee - unterwegs. (Rescue + diverse Specialty’s). Es würde mich aber durchaus reizen, in Zukunft in den technischen Bereich reinzuschnuppern. Spiele mit dem Gedanken, im Kaltwasser oder auch mal auf Malta/Gozo Ausbildungen anzusteuern.
Habe aktuell einen Bare SB System Unterzieher und meistens ausreichend warm. Ich habe aber auch schon mit einem Heizungssystem geliebäugelt, insbesondere weil mir bei längeren Tauchgängen die Finger abfrieren.
Aktuell nutze ich ein Ultima Twist-Trockenhandschuhsystem. ich kenne nichts anders, finde die Bedienung recht konfortabel.
Nachfolgend liste ich in zufälliger Reihenfolge Kriterien auf, welche mir in den Sinn kamen:
Art des Trockis (bin bisher nur Trilaminat getaucht und fand das komfortabel). Grundsätzlich offen für Neues.
Einsatzzweck: Primär Kaltwasser, kann mir aber durchaus vorstellen den mal in einen Urlaub mitzunehmen. Höhle ist aktuell kein Thema, aber wer weiss schon was in 5 Jahren ist.
Bewegungsfreiheit: Fühlem ich im Trilaminat aktuell nicht eingeschränkt…
Füsslinge/Stiefel: Im aktuellen Anzug angenäht
Ventile: müssen drehbar sein
Personalisierung: Massgeschneidert? Anzug ab Stange? Was könnte praktisch sein beim Sidemounten? Versetzte Beintaschen? Pinkelventil Ja/Nein? Durchführung/Vorbereitung für ein Heizungssystem? Verstärkungen und wenn ja wo?
Verfügbarkeit/Händler in meiner Region? Welche Modelle und Marken werden angeboten und vertreten? Wie ist der Service, sollte doch ein Problem auftreten?
Budget: Ich bin bereit, eine Stange Geld zu investieren. Schliesslich sollte der neue Trocki länger halten wie mein aktueller.
Selbstverständlich habe ich mit diversen Leuten in meinem Umfeld gesprochen und Empfehlungen eingeholt. Diese sind jedoch so heterogen, dass ich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehe.
Einige Hersteller bzw. Modelle möchte ich trotzdem herausheben:
Bare X-Mission Evolution: Vom Schnitt her ist mein aktueller Anzug quasi ein X-Mission, der käme folglich sehr nahe.
Waterproof D7 Evo: Sehr gute Erfahrungen mit dem CH-Importeur gemacht. Viele Bekannte tauchen einen D7 und sind sehr zufrieden damit.
Seal SL:01: Sehr viel gutes gehört- jedoch Verfügbarkeit überschaubar und wenig Langzeiterfahrungen
SFTech: Offenbar legendär und scheint die Wahl Nr.1 zu sein die Richtung Höhle gehen. Die Auswahl an verfügbaren Materialien überfordert mich jedoch.
Ich erwarte gar nicht, dass sich hier das alle durchlesen.
Viel mehr möchte ich von euch wissen
Was wäre eurer nächste Trocki und warum?
Welche Entscheidung/Personalisierung bereut ihr oder was hättet ihr unbedingt machten müssen?
Welche Art von Manschetten (Hals & Arm) haben sich in eurer Tauchkarriere durchgesetzt und warum?
Ich bin dankbar für jede Art von Empfehlung, Hinweis oder Anekdote und grüsse in die Runde!
Soli
Da du in der Schweiz wohnst, würde ich mit Franz bei SF Tech einen Termin vereinbaren. Ich habe selbst einen Anzug von ihm und kann über seine Beratung nur gutes berichten. Andere Markenanzüge dürften in deinem Fall ähnlich viel kosten und beinhalten keinen jährlichen gratis Check. Die mit Aquasure statt mit Tape versiegelten Nähte sind ebenfalls ein großer Pluspunkt bei der Menge an Nähten.
aktuell besitze ich einen Kallweit Anzug und bin an sich auch zufrieden damit, ich habe mir auf der Boot vor drei Jahren anpassen lassen, muss aber sagen, dass er von Anfang an ein bisschen zu groß war zumindest am Bauch. Ansonsten ist alles top. An der rechte Bein Tasche hat relativ schnell der Reißverschluss versagt. Des Weiteren empfand ich den Chef von Kallweit vor Ort dann bei Abholung etwas überheblich und arrogant, was mich dazu bewegt hat danach keinen Kallweit Anzug mehr zu bestellen.
Das zu meiner persönlichen Meinung.
Ebenso muss ich sagen, dass ich die SF Techanzüge sehr interessant finde die Materialzusammensetzung sich leicht sehr gut anfühlt und auch dieser Hersteller auf der Messe mir sehr zugesagt hat. Damals Totschlagargument war die Distanz zur Schweiz und der Preis jetzt wo ich an der Schweizer Grenze wohne, denke ich mir verdammt hätte ich besser mal diesen gekauft soviel zu meiner Meinung. Ich glaube insgesamt gibt viele Hersteller die vernünftige Anzüge bauen. Am besten finde ich wirklich auf einem Messe zu fahren und alle mal persönlich anzufummeln um für einen selbst das beste feeling zu finden.
Die halten sicherlich lange dicht. Aquasure erschwert jedoch enorm Reparaturen. Es muss erst abgeschliffen werden.
Es gibt unterschiedliche Arten Nähte mit Tape abzudecken. In zwei Arten wird das Band mit mehr (z.B. Scuba Force) oder weniger (z. B. Santi, Bare (?)) Hitze aufgebracht. Man erkennt die unterschiedlichen Arten an der sichtbaren (mehr Hitze) oder nicht sichtbaren Naht (weniger Hitze). Mit Tape gesealte Nähte sind deutlich einfacher zu reparieren als mit Aquasure gesealte Nähte. Dafür kann man hoffen, dass mit Aquasure gesealte Nähte länger dicht sind.
Ich tauche einen Santi und einen Rofos, beide mit Neoprenhalsmanschette und Latexarmmanschetten. Der Santi ist ein Teilmaßanzug. Der Rofos halt aus dem Rofos-Baukastensystem zusammengestellt. Ich hatte zuvor einen Bare und Ursuit. Der Bare war etwas zu klein und der Ursuit für mich viel zu sackartig geschnitten. Die beste Halsmanschette hatte der Bare. So eine ist mittlerweile am Rofos-Anzug. Der Rofos ist etwas enger als der Santi.
Die Reparaturen, die du berichtest, würde ich eher in den Bereich Gebrauch einordnen. Ein Durchsticht kann dir mit jedem Anzug passieren. Hatte ich bisher am Bare im der Bereich des Schulterventils und beim Rofos am Arm und am Hals. Wie ich das jeweils geschafft haben soll, keine Ahnung. Eine undichte Naht sollte bei Bare, wenn noch in der Garantie, für dich kostenfrei repariert werden. Ein undichter Reißverschluß ist auf Grund der Reparaturkosten schon sehr ärgerlich. Aber auch Reißverschlüsse sind Verschleißartikel.
Also, in meinen Augen noch kein Anzeichen für das Ende der Lebenszeit deines Bare. Wenn du einen zweiten Anzug oder Ersatz haben willst, schmeiße ich aber auf keinen Fall mit Steinen.
Wenn du den Anzug auf Reisen mitnehmen willst, achte auf das Anzuggewicht. Pinkelventil auf jeden Fall, Verstärkungen habe ich bisher nicht gebraucht. So eng sind die Höhlen nicht durch die ich tauche. Bzgl. Heizung. Ob du dafür Platz einplanen musst, kommt darauf an, ob du beheizte Unterwäsche (z.B. Yellow Diving, Smart Tex) oder Westen bzw. beheizte Unterzieher verwenden willst. Ein BZ420x heated braucht schon etwas Platz. Die Santi-Weste oder der heated Flex 2.0 sollte so passen. Beheizte Unterwäsche trägt nicht extra auf. Am besten probierst du den Anzug mit dem geplanten Unterzieher an.
Wenn dir ein Anzug von der Stange passt, super. Santi und Bare bieten eine begrenzte Anzahl von Änderungen im begrenztem Umfang ohne Aufpreis an.
nimm den SF-Tech, passt und ist nahezu unkaputtbar. Material lässt Du Dich dann von Franz beraten. Hab meinen seit 3 Jahren und bin mehr als zufrieden damit.
Würde ich so nicht unterschreiben. Wie bei der Materialmischung (manches verschweißt untrennbar) kann man ebenso an der Menge der Kleberschicht stellen. Tape und Kanten bleiben aber keine gute Kombination - in anderen Gewerken werden solche Stellen verschliffen oder mit Füllstoffen ausgefüllt und dann verklebt.
In den meisten Fällen geht es gut, ansonsten wäre es nicht so verbreitet.
Geht es doch mal nicht gut, wird meist Tape auf Tape geflickt. Wenn sich die Halsmanschette mit den Ausläufern vom Reißverschluss überlagert, oft in multipler Wiederholung.
Aquasure kriecht dagegen in wirklich jede Pore und löst sich bei sauber vorbereiteten Untergrund nie wieder. Wie bei manchen Fahrradreifen mit so einer Zusatzschicht, ist Durchstechen an der Stelle sehr schwierig. Punktuell großzügig aufschleifen dauert in etwa so lange wie das Heizelement aufheizen und man sieht von der Reparatur später kaum etwas. Der Nachteil ist die lange Zeit zum Aushärten.
Es gibt Personen, die viel Geld dafür bezahlen, nachträglich alle Nähte damit versiegeln zu lassen.
Ich muss nur das Heizelement anschalten. Das Schleifen dauert einfach länger und erfordert mehr Sorgfalt als das Lösen eines Tapes. Außerdem kann man leicht zu viel wegschleifen. Aber zugegebenermaßen kann man das Heizelement auch zu lange auf dem Tape lassen.
Das bedeutet lediglich, dass es einen Markt dafür gibt. Es heißt nicht, dass es besser als Taping ist.
Ich halte die Passform für wichtiger als die Art und Weise, wie die Nähte abgedichtet werden. Ich würde einen Anzug mit getapten Nähten, der besser sitzt, einem Anzug mit Aquasure-gedichteten Nähten, der schlechter sitzt, vorziehen.
Liebe Grüße Jens
P.S. Vielleicht muss ich mal einen Anzug bei dir reparieren lassen?
@Jens ein top geschnittener Anzug macht ebenfalls wenig Freude, wenn man ihn zum Nachbessern einschicken muss.
Ich wollte damit nicht sagen, dass getapte Nähte per se schlecht sind. Bewegt man sich (wie in dem Fall) im preislichen Premiumsegment, darf man aber auch mehr erwarten.
Auch das würde ich nicht pauschalisieren. Von einfach lösbar bis wortwörtlich verschweißt, ist alles möglich. Sich überlagernde Nähte ganz außen vor gelassen. 2-5cm Naht aufschleifen geht relativ schnell.
Dem kann ich nur zustimmen. Wer sich einen der ersten Mares Trilaminat oder Bares Vier-Wege Strechanzüge (erinnere den Produktnamen nicht mehr. Ist schon etliche Jahre her) gekauft hat, wird geflucht haben.
Ok, mir fallen auch Beispiele ein, in denen Tape über Tape über Tape war Auch nicht besser. Sich überlagernde getapte Nähte können wirklich ätzend sein.
Vielleicht sind meine Erfahrungen mit durch Aquasure „reparierten“ Anzüge einfach zu schlecht. Da wird großflächig dick Aquasure aufgetragen, um ein kleines Loch zu flicken. Die Naht ist mal zwei, dann wieder drei cm breit abgedeckt, Aquasure-Flecken im Anzug vom tropfenden Pinsel.
Das sind alles Sachen, die man bei einem Anzug in dem angedachten Preissegment, aber auch in niedrigen Preissegmenten nicht sehen will.
@Jens die Anzüge kamen mir auch in den Sinn.
Ein guter Schneider versteht andersherum nicht zwangsläufig etwas von Klebe- und Fügetechnik. Andere Personen steigen auch völlig quer ein.
Bauschaum und Silikon werden ebenfalls gerne ins negative gezogen, weil ein paar Laien und Pfuscher der Meinung waren ,viel hilft viel".
Anbei ein Beispielbild (so vom Kunden angeliefert) warum Tape nicht immer die beste Lösung ist. Ursprünglich sollte nur die Manschette gewechselt werden.
Vielen Dank für deine Antwort! Ich habe die Möglichkeit im lokalen Tauchshop mal nen D7 auszuleihen. Bin gespannt, wie sich die Silikonmanschetten anfühlen.
Vielen Dank für deine Antwort Jenner. Ich werde mit nem Freund mal einen Ausflug an den Genfersee machen und mir ein Bild vor Ort machen. Lesen kann man viel- aber mal nen Anzug in die Hand nehmen und mit nem Fachhändler sprechen ersetzt das dann eben doch nicht.
Scheint, als hättest du eine Grundsatzdiskussion über Trocki-Nähte vom Zaum gebrochen .
Als Ergänzung: Mein aktueller Bare Trocki ist knapp drei Jahre alt und hat geschätzt 200 Tauchgänge im Kaltwasser hinter sich. Ich hab mir nach der Reparatur sagen lassen, dass er schon deutliche Abnutzungserscheinungen aufweist und sich das auch an der Materialdicke bemerkbar mache. Bevor ich nun meinen günstigen ersten Trocki mit unbekanntem Ausgang vergolde (Reissverschluss reparieren oder ersetzen), kaufe ich deshalb lieber einen neuen…
Ich war nun seit Monaten entweder feucht oder komplett nass, das macht mir dann keinen Spass mehr .
Bezüglich Heizsystemen habe ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Ich traf schon Leute mit Heizwesten, wovon mich aber noch keine wirklich überzeugt hat. Klobige Akkus im Unterzieher, fummelige Einschaltknöpfe und merkwürdige Kabelführung: da war alles dabei. Generell friere ich mir primär die Finger ab, weshalb ich mir die SFTech Handschuhe mal zeigen lassen möchte..
Sind halt auch praktisch, wenn mal eine kaputt geht (bisher nicht passiert), weil die schnell selber gewechselt ist. Geht auch spontan am Tauchplatz, wenn das Werkzeug dabei ist.
Ich hab seit diesem jahr den beheizten Unterzieher von Kwark. Mit externen Akku. Damit bin ich grundsätzlich sehr zufrieden.
Einschalten am Akku, stufenlos verstellbar - Träumchen
Mit einem dichten Anzug sollte das bereits deutlich besser werden. Bei SF Tech kannst du auch verschiedene Unterzieher anprobieren, die das ggf. nochmal verbessern. Sprech es bei der Beratung einfach mal an.