Rettungsübung bei SM-Tauchern

Hallo zusammen,
da im aktuellen „VDST sporttaucher“ gerade wieder über Probleme bei der Rettung berichtet wird, denke ich auch mal wieder darüber nach.

Speziell geht es um die Übung „Retten eines in Panik geratenen Tauchers“.

Mit Rückengerät ist es kein großes Problem.
Von hinten anschwimmen, eine Hand ans Ventil und eine an den Flaschenboden.
Und mit ausgestreckten Armen den in Panik geratenen Taucher „kontrollieren“.

Wie funktioniert das SM?
Oder ruhen SM Taucher so in sich, das sie nie in Panik geraten. :thinking:

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hm…

halte ich mal grunz-sätzlich für ein gerücht, daß das in der praxis funktioniert. einen menschen in panik mit ausgestreckten (!!) armen zu kontrollieren halt ich schlicht für unmöglich, dafür reicht einfach die eigene kraft nicht.

und - ja, SM-taucher sind so tiefenentspannt und gechilled, daß schon das wort „panik“ aus dem wortschatz ersatzlos gestrichen wurde :wink:

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aber du kannst mal hier weiterlesen…

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Das geht.
Sogar recht einfach.
Schon öfters geübt.
Und einmal in der Praxis machen müssen.
Es geht nicht darum, den in Panik geratenen zu „fixieren“, sondern dafür zu sorgen, das er weder sich, noch andere gefährdet.

@Gr3yw0lf Da ja nicht mehr von hinten, sondern von vorne (Auge in Auge) gerettet wird, ist das auch SM machbar. Man muss nur mit dem Tarieren sehen.

Er wird sich immer Dir zudrehen, wenn er Dich bemerkt. Denn Du bist seine Rettungsboje. Und sobald er sich an Dich ranhängt und ggf runter drückt, sind es schon zwei Taucher mit einem Problem.

Ein befreundeter Taucher meinte immer mal wieder - und vermutlich nur halb scherzhaft - dass man im echten Notfall dem zu rettenden Taucher die eigene Lampe überzieht, so die eigene Sicherheit erhöht und die Zeit minimiert, bis positiver Auftrieb hergestellt und/oder der Paniktaucher am Boot/Land gebracht ist. :wink: Ist sicherlich was dran, so grundsätzlich. Kannste aber natürlich weder öffentlich sagen noch so lehren.

Jepp, das Thema hatten wir schonmal ausführlich. Lohnt sicherlich, da mal zu schmökern.

Auch das Thema, wie man einen bewusstlosen Sidemount-Taucher an die Oberfläche bringt. @Roby Hatten wir da nicht sogar ein Video? Aber das ist eh nicht das Thema hier im Thread.

da muss ich dir leider widersprechen.
nachdem ich in meinem brotberuf des öfteren menschen aus dem wasser holen muss, weiß ich daß schon 2-3jährige kinder kräfte entwickeln können, daß du nach einer rettung schon mal an beiden armen ziemlich blau bist - nur vom zupacken der kleinen. und bei erwachsenen ist es nicht besser…

mein praxis-tipp wäre tatsächlich zu warten bis der „bewegungsdrang“ des zu rettenden nachlässt. besser 1x HLW als 2x bergen (so hart es klingt)…

In der Theorie.
Die Praxis hat gezeigt, das der betroffenen Taucher nichts mehr um sich herum wahrgenommen hat.

Darum auch mit ausgestreckten Armen.

Das meine ich auch mit „kontrollierten“.
Ihn von dir und anderen fernhalten.

Haben wir - Garry hat es einst gefilmt.

Martin… Dein letzter Rescue Kurs, den Du gegeben hast, ist wohl schon länger her. Was ist denn die Zauberformel bei panisch reagierenden Tauchern unter Wasser?

Deren Drang geht nach oben. Deshalb wird dieser von hinten angetaucht. Sieht dieser dich, dann von unten antauchen - also gegen dessen Drang tauchen.

Oh ja… durfte einen panischen Taucher auf 45m Tiefe „helfen“. Als seine Hände meinen Oberarme mit dicken Unterzieher und Trocki wie eine Klemmzange umschlungen… war mein erster Gedanke: „Fu…. Es ist doch ein wenig Wahrheit dran. Lieber ein toter Taucher als zwei!“
Zum Glück konnte ich ihn fixieren, presste ihn gegen die Steilwand. Und dann wurde es ein langer Ritt nach oben. Am Ende alles gut gegangen. Aber: Nicht jeder ist dem körperlich gewachsen - und jeder muss selbst prüfen, ob er in diesem Moment in der Lage ist zu retten oder lieber Rettungskette auslöst.

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I know I know. Und schon alles klar. In der Theorie - und wie man es beim Rescue ja auch übt.

Aber meiner Meinung nach ist es in einer echten Situation nur ein theoretischer Unterschied, ob ich mich von hinten über oder unter Wasser nähere. Denn irgendwann bin ich ja am gleichen Punkt. Ich bin am panischen Taucher an der Wasseroberfläche. Und dann wird es spannend.

Das wollte ich mit meiner Antwort oben sagen.

Ansonsten bin ich da von der praktischen Betrachtung (also bei „Hilfe Hilfe“ und nicht „Pizza Pizza“ am See / im Meer) eher bei dem uns beiden bekannten Taucher und seiner Lampe (bezog sich aber noch auf die fetten alten Lampen :wink:) oder eben der Variante von Greywolf…

Hab’s gefunden. In unserem YouTube Kanal. Wo auch sonst? :wink:

Da waren wir noch jung und schön. :stuck_out_tongue:

oder

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Danke Nicole :slight_smile:

@tauchnix Das Video muß schon recht alt sein.
Von hinten wird schon seid einigen Jahren nicht mehr gerettet.

@uwe Bei welchen Verbänden? Was sind die Gründe?

Eigentlich hatte ich auf eine „Handreiche“ gehofft und nicht auf eine Grundsatzdiskussion.

Ich hoffe mal, das das nicht dein Ernst ist.
Das kannst du evtl. machen, wenn du bei der DLRG bist und ein ganzes Team mit RTW und Notarzt im Hintergrund hast.

@Gr3yw0lf @Roby Das wichtigste bei der Aktion ist, das der sich in Panik befindende Taucher nicht an euch rankommt.
Dann kann der Panische Taucher nur die Kraft anwenden, den er gegen den Wasserwiederstand aufbringen kann.
Also die Kraft im Wasser, die er mit Paddel der Hände aufbringen kann.
Sobald der Taucher euch zu packen bekommt, kann er seine ganze Muskelkraft anwenden.
Und da kann sehr erheblich sein.

Das mit dem „Bewegungsdrang“ ist so eine Sache.
Oft st es nicht einmal notwendig, ein in Panik geratenen Taucher an die Oberfläche zu bringen.
Meine Erfahrungen und die meiner Tauchlehrerkollegen, die schon mal in der Situation waren, hat gezeigt, das sich die Panik unter Wasser wieder legt (wieder legen kann) und man kontrolliert auftauchen kann.
In meinem Fall war es eine junge Frau, die von der Situation total überfordert war.
Und als ihr Regler ein wenig Wasser gezogen hat, fing sie an, am Rad zu drehen.
Sie war ein frischer OWDler und hat noch nicht mal an ein „Notaufstieg“ gedacht.
Es reichte, sie ein wenig „Abzappeln“ zu lassen.
Nach kurzer Zeit und einer gewissen Ermüdung hat sie gemerkt, das die Situation nicht so schlimm ist und ich bei ihr bin.
Und hätte „ihr“ Dive Master die Situation vorher richtig eingeschätzt, wäre auch nichts passiert.
Aber das ist auch der Entscheidende Punkt.
Das wichtigste ist, eine drohende Panik zu erkennen.
Und möglichst alles ausschließen, was eine Panik auslösen kann.
IdR. ist es so, das sich Angst und Unsicherheit zur Panik aufschaukeln.
Und man muss lernen, das bei sich und seinem Tauchpartner rechtzeitig zu erkennen, um die Panikspirale zu unterbrechen.
Dann muss man sich auch keine Gedanken machen, wie Panik unter Wasser gehändelt wird.

Ich war der Meinung, bei allen.
Aber in der CMAS.
Ein Grund ist, das bei der Rettung von hinten früher der Kopf überstreckt wurde.
Das soll ja nicht mehr gemacht werden.

Ich will eigentlich nicht immer „früher“ sagen, weil das klingt wie „Opa redet vom Krieg“.
Aber früher hat man sich bei der Rettung die Flasche des verunfallten zwischen die Beine geklemmt, hat den Kopf überstreckt und ist aufgetaucht.
Aber das Tauchen entwickelt sich weiter.
Jetzt darf der Kopf nicht mehr überstreckt werden.
Und nicht jeder hat eine Flasche auf dem Rücken
Immer mehr tauchen mit mehreren Flaschen, Kreisel, oder SM.
Und da brauchte man eine andere Technik.

@uwe
grunz-sätzlich bin ich bei dir, daß sich panik unterwasser wieder legen kann. da ist halt die frage, warum wurde der taucher panisch?
wenn man das erkennt/erkennen kann/mitgekriegt hat, kann man u.u. was dagegen unternehmen und die situation in den griff kriegen - auch abhängig von der mentalen konstitution desjenigen und des helfers.

nachdem (meiner erfahrung nach) in den meisten foren ja nur tolle taucher unterwegs sind, oute ich mich mal als nicht so toll.
ich hatte selbst schon mal eine atem-panik und weiß daher aus erfahrung, was da abgeht.
ausgangssituation: aowd-kurs, heimischer see, sicht eher „naja“ (ca. 2-3m), wasser ca 16°, suboptimaler 7mm neo (mir wa echt kalt), leihregler (uralter, unbalancierter shearwood), erfahrung null (owd+aowd in einem gemacht).

ich tauchte als letzter der schüler (hinter mir noch ein DM) und es war sichtbedingt für mich schon eher schwer, nicht den anschluss zu verlieren, mir war kalt, es war (für mich damals) ungewohnt dunkel. bis ca 10m war es noch ok, als es tiefer ging (ca 15-17m) wars schon stress. durch das dauernd der gruppe hinterher schwimmen, nachtarieren usw. ging meine atemfrequenz schon hoch, die atemarbeit wurde umgewohnt schwerer (bis zu dem zeitpunkt waren wir max. 8m getaucht) und ich hatte das gefühl, der regler liefert einfach zu wenig luft. dadurch atmete ich noch schneller, das gefühl, zu wrnig luft zu kriegen, wurde noch stärker, also noch schneller geatmet usw. bis der drang da war - nur mehr den rehler sus dem mund zu nehmen und einmal tief einatmen - in 15m keine gute idee. das restliche denke war vollständig abgeschaltet - da war nur „einmal tief einatmen!“.

der DM hinter mir hat das aber mitgekriegt, mich am jacket gepackt und mir seinen poseidon vor die nase gehalten. irgendwie wollte ich den garnicht (mein vertrauen in atemregler war echt weg - ich wollte nur tief einatmen) darauf hat er mich kurzerhand vom sherwood befreit und mir seinen poseidon reingestopft - und siehe da - ich bekam luft - in mehr als ausreichender menge. nach gefühlten minuten (tatsächlich waren es 5 oder 6 atemzüge) war der kopf wieder klar, die panik gelegt und wir haben den tg gemeinsam beendet. an dem tag wars das aber für mich mit tauchen.
am nächsten we hatte ich meinen eigenen regler…

ich möchte garnicht drauf eingehen, was alles schief gelaufen ist und warum, was hätte vermieden werden können usw. das ist vollkommen egal.
es geht nur drum, daß jemand in panik grunz-sätzlich nur auf zwei dinge konzentriert ist - luft zu kriegen und die situation zu verlassen (fluchtreflex).
wenn man das als helfer erkennt, rechtzeitig eingreift - bevor irgendwelche „dumme“ handlungen wie ausspucken des reglers oder aufblasen des wings gesetzt werden - kann man denjenigen schon unter kontrolle bzw aus der panik kriegen bzw sollte das das ziel sein.
ist halt immer situationsabhängig, daher halte ich es für vermessen zu behaupten, denjenigen nur von vorne oder nur von hinten (meinetwegen auch von der seite) anzuschwimmen ist „richtig“.
es kommt doch immer drauf an, in welcher umgebung bin ich (freiwasser, wrack, höhle), wo in der tauchgruppe bin ich und wo ist derjenige mit dem problem, welches prob hat er eigentlich (kann ich es auf distanz erkennen oder muss ich näher ran), wie verhält er sich, besteht eine deko-verpflichtung uvm…

und, @uwe, es braucht nicht immer ein grosses team von rettung und notarzt vor ort - zumindest nicht gleich. ich hab in den letzten 10 jahren (leider) 8 erfolglose reanimationen hinter mir - dem gegenüber stehen aber ein vielfaches an erfolgreichen (nach 30 hab ich zu zählen aufgehört) also ich denke, ich hab eine leise ahnung wovon ich rede…