Geld und saures Wasser

Eben alles, was nicht in die anderen Sidemount-Unterforen passt
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Frankentaucher
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Geld und saures Wasser

Beitragvon Frankentaucher » Di, 20. Sep 2016, 9:25

Hallo Leute!

Letztens habe ich wiedermal nen Geldbeutel beim Tauchen gefunden.
War überraschenderweise nicht geklaut, sondern verloren gegangen.
Der Eigentümer erzählte mir, er hätte ihn vor 2014 bei nem Segeltörn verloren und es wären angeblich ca. 200 Teuro drin gewesen.
Leider ist das Gewässer aufgrund seiner Vergangenheit (Braunkohletagebau) sehr, sehr sauer. Von den Geldscheinen und anderen Papieren war níx mehr zu finden. Sogar die kupfernen Centmünzen waren schon so angegriffen, daß sie sich wie Plastik biegen ließen und fast zerbröselten - faszinierend!

Meine Frage jetzt:
hat jemand von Euch schon mal Teuroscheine gefunden die ähnlich lange in normalem Wasser lagen? Wie waren die beschaffen?
Wie lange halten Geldscheine in normalem, neutralen Wasser?

Einen 5-Teuro-Schein hab ich mal auf 6m gefunden, aber der war quasi frisch.
Frage aus naturwissenschaftlichem Interesse! Meine Schatzkiste würde ich aber woanders versenken :D

Grüße, Frank
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NOwhereRS
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Re: Geld und saures Wasser

Beitragvon NOwhereRS » Di, 20. Sep 2016, 15:00

Das schreit doch nach einer praktischen Studie!

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Re: Geld und saures Wasser

Beitragvon jb_112 » Di, 20. Sep 2016, 23:45

Servus beinand,

dafür gibt es schon mögliche Erklärungen. Das Papier der Euro-Geldscheine besteht in der Basis aus Baumwolle [1]. Dazu gibt es verschiedene Abbauwege, welche einerseits über Mikroorganismen (enzymatisch [2,3] – bei Cellulose z.B. über Cellulase) oder auch chemisch geschehen kann. Der chemische Abbau Weg scheint bei diesen speziellen Bedingungen im alten Braunkohletagebau See favorisiert abzulaufen. Hier wirken der niedrige pH – Wert (zwischen 3 und 5) und das Vorhandensein von Metallsalzen (hier hauptsächlich Eisensulfide) [4] vermutlich beschleunigend auf den Abbau von Cellulose, was in dieser Studie herausgefunden wurde: [5]. Das ganze wurde auch bei einer Temperatur von 3°C getestet, also kommt es den heimischen Seenbedingungen recht nahe. Wenn nun noch von einem natürlichen Vorkommen von Wasserstoffperoxid oder anderer reaktiver Sauerstoffspezies ausgegangen wird [6], könnte exakt dieser Abbau stattfinden. Bei einigen der Tests waren auch keine sichtbaren Spuren der Cellulose Probe mehr vorhanden.

Tja, und die Kupfermünzen bestehen zu nicht mal 6% aus Kupfer sondern fast nur aus Eisen [7] welches da recht schnell chemisch zersetzt wird. Und langfristig gesehen ist Kupfer dann auch nicht edel genug um gar nicht angegriffen zu werden.


Das wäre ein möglicher Weg. Oder den Geldbeutel hat schon einmal ein Taucher gefunden und der hat das Geld einfach mitgenommen ;-)


Grüße,

Michi


[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Eurobankn ... tsmerkmale

[2] “The impact of dissolved amino acids on protein and cellulose degradation in stream waters” Bengtsson, G. ,Hydrobiologia, 1988, 164, 2, 97–102 (http://link.springer.com/article/10.1007%2FBF00008453)

[3] “Microbial Decomposition in Aquatic Environments: Combined Process of Extracellular Enzyme Activity and Substrate Uptake”, Hoppe et al., Appl Environ Microbiol., 1988 Mar; 54(3):784-790. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/1634 ... t=Abstract)

[4] Landesumweltamt Brandenburg, Studien und Tagungsberichte, Band 35, 2001, „Tagebauseen: Wasserbeschaffenheit und wassergütewirtschaftliche Sanierung -Konzeptionelle Vorstellungen und erste Erfahrungen“. (http://www.lugv.brandenburg.de/cms/medi ... a_bd35.pdf)

[5] „Catalytic Decomposition of Cellulose under Biological Conditions”, Halliwell, G., Biochem. J., 1965, 95, 35

[6] “Hydrogen peroxide concentration in a northern lake: photochemical formation and diel variability”, Cooper et al., Environ. Sci. Technol., 1989, 23 (11), 1425–1428

[7] https://de.wikipedia.org/wiki/Eurom%C3%BCnzen

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Frankentaucher
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Re: Geld und saures Wasser

Beitragvon Frankentaucher » Mo, 26. Sep 2016, 10:02

Vielen Dank für die detaillierte Analyse!
Das erklärt, warum die "Kupfer"-Münzen quasi nur noch aus ihrer Kupferhülle bestanden und der Kern der Münze fast weg war. Lustig wie biegsam die Dinger dann werden.
Irgendein Staat will jetzt sein Geld auf Plastikfolie drucken - da hätte ich dann wohl mehr Chancen auf Finderlohn;-)
Sauer ist das Wasserdefinitiv.
Eisen gibt´s auch genug und reagiert meist gut sichtbar mit dem Schwefel (schwarze Krusten).
Und überall am Seegrund finden sich Senken mit Bakterienrasen und darüber wabernden Bakterienschwaden. Sieht toll aus, aber mein Geld werde ich wohl sicherheitshalber lieber im Garten verbuddeln....
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Re: Geld und saures Wasser

Beitragvon NOwhereRS » Di, 27. Sep 2016, 11:42

PS: Australische Dollar sind auf Plastik gedruckt ;)

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Re: Geld und saures Wasser

Beitragvon Frankentaucher » Mi, 28. Sep 2016, 13:26

Oder ich mach´s wie die hübsche Dame aus der Kreditkartenwerbung. Sieht bei mir sicher nur nicht so gut aus, wenn ich die Karte unter´m Backplate vorziehe....
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